Kaffeeklatsch
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Mülltauchen – Ein Interview mit Wastecooking.com

Heute möchte ich ein Interview mit Tobias und David von wastecooking mit euch teilen. Tobias kennen einige von euch bestimmt durch seinen Blog Tobias kocht.

Gemeinsam mit David ist die Initiative wastecooking entstanden. Es geht dabei darum sich darauf zu besinnen, dass Lebensmittel wertvoll sind. Jeden Abend landen teilweise große Mengen an – eigentlich noch guten – Lebensmittel in den Müllcontainern der Supermärkte, während auf der Straße Menschen an Hungersnot leiden – auch bei uns. Ein Zustand, der eigentlich nicht tragbar ist. Wastecooking greift das Thema auf und zeigt, dass Müll nicht gleich Müll ist.

Die beiden standen mir Rede und Antwort und haben mir etwas über wastecooking erzählt und aus dem Nähkästchen eines Waste-Divers geplaudert.

Könnt ihr euch bitte kurz vorstellen?
david gross, regisseur – tobias judmaier, koch …uns verbindet die freude am kochen …tobi hat das talent für den herd, ich hab meine stärken an der kamera, wir sind seit über 10 jahren befreundet und irgendwann kam der gedanke: lass uns doch eine etwas andere koch-show machen!

Wie seid ihr auf die Idee von Wastecooking gekommen?
mich hat zuerst das thema „waste diven“ gepackt- und ich wollte das selber mal machen- und wie ich dann vor 3 monaten zum ersten mal in salzburg unterwegs war- kam die vision: eine kombination aus waste diven und kochen … um auf originelle weise auf das thema lebensmittel-verschwendung aufmerksam zu machen.

Das erste Mal Waste Diving – wie war das für euch? Hat es euch Überwindung gekostet im Müll nach Lebensmittel zu suchen?
es kostet überwindung, weil es natürlich etwas „grauslig“ ist- zumindest beim ersten mal- man legt die scheu aber bald ab … es wird normalität, es ist aufregender, als am abend vor der glotze zu sitzen, und die oft oberflächlichen koch-talk-shows anzusehen …

Durchsucht ihr auch privat Müllcontainer nach essbaren Lebensmitteln um sie weiter zu verwenden? Und wenn ja, wie lange macht ihr das privat schon?
ich gehe seit 3 monaten diven- tobi hat seine premiere letzte woche beim dreh hinter sich gebracht- es hat einen gewissen sucht-faktor … es ist ein bisschen wie „osternester suchen“ und es macht viel spass, wäre da nicht der bittere nach-geschmack der verschwendung von essen…

 

 

Beschreibt doch mal einen typischen Waste Diving-Abend! Gibt es eine Art Schlachtplan? Wie geht ihr vor, wann geht ihr los, geht ihr schon mit einem Rezept im Kopf los, oder findet sich das erst spontan im Laufe des Abends?
improvisation ist oberstes gebot … du musst glück haben, weil man nie weis, was und ob man etwas in der tonne findet … erfahrung hilft- ist aber nicht alles…dienstag und donnerstag sind gute tage für`s diven- weil am tag darauf der müll geleert wird… und jeder hat seine lieblings-spots- und das sind dann oft geheim-tipps- fast wie lieblings-restaurants …

Nehmt ihr nur so viele Lebensmittel mit wie ihr auch benötigt, oder kommt einfach alles mit was ihr findet und noch essbar ist?
wir nehmen nur so viel, wie wir auch essen können, das ist eine goldene regel- wir wollen keinen neuen müll produzieren- und wir nehmen nur das frische- davon ist (leider) immer genug da- gut für die küche- schlecht für die welt…

Ich nehme an, dass ihr trotzdem auch noch (hin und wieder zumindest) ganz klassisch im Supermarkt einkaufen geht. Gibt es Produkte die ihr ausschließlich im Supermarkt kauft? Was steht auf einem typischen Einkaufszettel von euch?
wir gehen einkaufen, das wird aber surreal mit der zeit, weil die dinge ja 10 minuten später schon im container liegen können- und weil man sich an „night shopping“ gewöhnt… öl und gewürze kauft man in der regel dazu…wir kaufen nach gefühl ein … kochen, diven- das ist alles eine frage der intuition …

Gab es schon einmal Probleme mit der Polizei oder Supermärkten?
nein, keine probleme … in österreich ist abfall ein „herrenloses gut“ – man kann es nehmen, nur keine schlösser aufbrechen- und keinen fremden besitz betreten (das zweitere lässt sich kaum vermeiden) …aber wenn man so ein ding durchziehen will, darf man die hosen nicht zu voll haben…

Habt ihr eine „Roadmap“ der besten Supermarktmistkübel?
wir haben unsere innere karte- und wir haben unsere lieblings-plätze, die wir hüten wie unseren augapfel …

Was muss sich aus eurer Sicht ändern, damit die riesen Müllberge an (eigentlich guten) Lebensmitteln schrumpfen?
die hälfte aller produzierten lebensmittel wird weggeworfen- das ist eine tragödie, und eine unfassbare ressourcen-verschwendung weit über lebensmittel hinaus (arbeitskraft, wasser, transport …), man muss auf zwei ebenen ansetzen … auf der persönlichen ebene: was kann ich tun? und: wie kann ich die politischen kräfte stärken, die sich für alternativen engagieren … von unten kommt der bewusstseins-wandel, von oben braucht es dann gesetze …
ein patent-rezept gibt es nicht- wie beim kochen …

Liegt das Problem der Verschwendung von Lebensmittel eurer Meinung nach eher bei Produktion der Lebensmittel oder beim Konsumenten?
es ist eine kette … alle werfen weg: die produzenten, die transporteure, der handel und wir natürlich auch … es geht nur gemeinsam- mit aufklärungskampagnen zum thema mindesthaltbarkeits-datum zB: vieles, das abgelaufen ist- wäre noch lange genießbar …

Ihr wart ja bereits in Salzburg unterwegs. Sind auch in anderen Städten Waste Diving- und Waste Cooking-Events geplant, und wie kann man daran teilnehmen?
salzburg ist die erste station … wir wollen aber weiter ziehen … tonnen mit frischem essen gibt es leider überall- und so lange es dieses problem gibt- soll es auch unsere aktionen geben- auf www.wastecooking.com findet ihr alle details.

Das Interview ist fast zu Ende – gibt es noch etwas, dass ihr unbedingt loswerden wollt?
essen ist mehr als nur nahrungs-zufuhr … essen ist kultur … don’t waste it- cook it…

Vielen Dank für das Interview!

Weitere Infos zu wastecooking bekommt ihr

auf der Homepage: www.wastecooking.com

auf Facebook: www.facebook.com/waste.cooking

auf Twitter: twitter.com/wastecooking

auf dem YouTube-Channel: www.youtube.com/user/wastecooking

Fotocredit: Christopher Eberle

Und damit ihr auch gleich einen Eindruck von der Show bekommt, könnt ihr euch hier die zweite Folge ansehen:

Wastecooking – Episode 2

 

Was sagt ihr zum Waste-Diven? Habt ihr es vielleicht sogar schon einmal ausprobiert?

1 Kommentare

  1. Ich habs noch nie ausprobiert, sondern schon mal ein Wasted-Food-Dinner gegessen. Wenn man erst einmal die erste Scheu überwunden hat, ist es einfach nur gut 🙂

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